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Michaela Pietrzik

Porträtfoto von Michaela Pietrzik

Künstlerin, lebt und arbeitet in Berlin

Seit 2010 vertreten in der Online-Galerie


Was bedeutet Ihnen die Kunst?
Kunst ist der geistige Ausdruck einer Person oder Menschengruppe einer Gesellschaft, der mir hilft über den Tellerand hinaus zu denken.

Warum machen Sie Kunst?
Ich habe schon als Kind viel gezeichnet. In meinen Bildern steckt die Sehnsucht nach allem, was mir im dreidimensionalen Leben fehlte und wonach ich mich sehne. In einigen Bildern steckt auch politischer Protest.

Seit wann sind Sie künstlerisch tätig?
Seit ich einen Stift halten kann.

Haben sie ein grundsätzliches Thema oder Motiv?
1. Bäume als symbolträchtige Gestalten
2. Tiere als Sinnbilder für menschliches Verhalten

Eine schwarze Katze schleicht auf regennassem dunkelblauem Laub um einen goldenen Käfig herum, in dem eine weiße „Zirkustaube“ sitzt.
Katze oder Taube sein, 2003

Bevorzugen sie ein Material oder besonderes künstlerisches Ausdrucksmittel oder Technik?
Ich schöpfe aus einem reichen Repertoire an Techniken,
ich bevorzuge aber Acrylfarbe.

Gibt es für sie künstlerische Verwandte/Verbündete oder Leitbilder in der Kunstgeschichte?
Joseph Beuys, Andy Goldsworthy, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Friedensreich HundertwasserFrida Kahlo, Hannah Höch, Patrick Blanc (grüne Pflanzenwände)

Wie und wann arbeiten Sie am liebsten?
In Gesellschaft eines "Offenen Ateliers", derzeit beim PSV e.V.

Worin sehen Sie Ihre künstlerische Herausforderung?
Wir Menschen müssen lernen uns wieder in natürliche Kreisläufe einzufügen, keinen Müll zu machen und nicht Menschen und alle andern Lebewesen zu versklaven und auszurotten, sonst steht die Spezies Mensch selbst auf der Abschussliste der Evolution. Vielleicht finde ich dafür passende Formen für Werke, die das darstellen.

Was ist Ihr künstlerischer Traum?
Ein Atelier, in das man täglich zur Arbeit gehen kann.

Wo würden Sie Ihre Arbeiten gerne zeigen?
Auf der Documenta in Kassel.

Bildbeschreibung: Man sieht eine rote Frau tanzen, die von Männerblicken beobachtet und einem Geiger inspiriert wird. Die Sehnsucht nach Abenteuer lässt viele heute in Tangokurse gehen, vielleicht kommt das Gefühl in unserer rationalen Zeit zu kurz?
Jetzt wollen alle Tango tanzen, 2011

Wo würden Sie gerne leben?
Auf dem Land.

Was ist für Sie Glück?
Das einfache, langsame, selbstbestimmte Leben leben zu können. Das Gegenteil von „schneller, höher, weiter“.

Woran misst sich Erfolg?
Zeit zu haben für Pausen - sonst kommt der Geist nicht hinterher.

Nennen Sie uns einen privaten Traum für Ihr Leben?
Draußen leben, in einer Hütte wohnen und Hühner halten.

Möchten Sie über Ihr Handicap sprechen? Was bedeutet es für Sie?
Depressionen sind die Antriebsfeder von Kunst. Kunst führt die Wunden vor Augen (macht sie später bewusst) und heilt.

Hat es Einfluss auf Ihre Kunst?
Ich versuche mehr und mehr Unbewusstes in „Zufallsbildern“ hochzuholen und dann zu verarbeiten. Dabei half mir die Kunsttherapie.

 

Wie kamen Sie zu Insider Art?
Ein Hinweis einer Bekannten aufs www.

Was bedeutet Ihnen die Präsentation Ihrer Arbeiten in der Online-Galerie?
Es ist eine große Erleichterung diese Plattform im Netz. Man braucht keine Ausstellungsräume und ist auch jederzeit in Australien sichtbar!

Was glauben Sie kann diese Plattform verändern, bewegen?
Das Internet ermöglicht ein globales Netzwerk von Menschen, die nicht reich sein müssen, um mitzukommunizieren! Es ist eine Chance mehr der Gleichberechtigung. Ich ziehe viel aus dem Netz und verwirkliche dann Sachen in der realen Welt.

Man sieht eine fröhliche Feldlandschaft im Frühling. Ein Haus und eine Pappel, drum herum wallen Felder in vielen Farben.
Dorflandschaft, 1990


Zu den Arbeiten von Michaela Pietrzik





Wolfgang Knapp

Wolfgang Knapp am Wasser sitzend

Lehrt am Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste in Berlin.
Vor dem Hintergrund seiner Studien der visuellen Kommunikation, Psychologie und Sonderpädagogik arbeitet er seit 1988 interdisziplinär mit dem thematischen Schwerpunkt "kulturelle und soziale Minderheiten". 
Weltweit hält er Vorträge und Workshops, veröffentlicht Publikationen und begleitet Forschungs- und Ausstellungsprojekte.


Sie haben in Ihrer über 20jährigen Tätigkeit an der UdK unzählige Projekte mit sogenannten Außenseitern der Gesellschaft, wie beispielsweise Gefangenen und behinderten Menschen durchgeführt. Was fasziniert Sie an diesem Thema: Kunst von sozialen und kulturellen Minderheiten?
Ich spreche eher von Neugier. Was mich interessiert ist, welche Potenziale in den verschiedenen, nicht im Mainstreaming angesiedelten, künstlerischen Feldern existieren und wie man sie sichtbar machen kann.
Und ich denke, gerade hoch sensibilisierte Künstler mit universitärem Hintergrund können mit diesen Feldern in einen produktiven Austausch treten und voneinander profitieren: sich einzulassen und zu suchen, worin die Potenziale bestehen, die alle Beteiligten ein Stück weit voranbringen im Sinne von Gedankenaustausch und dem Entwickeln von neuen Arbeitsweisen und Erkenntnisformen. 

Es geht nicht darum zu zeigen, die Behinderten können auch etwas. Das ist wieder diese Exotisierungsschiene. Das mag im Zuge des aktuellen Ethnomarketings, also auch Minderheitenmarketings funktionieren, ist aber uninteressant, weil es sich lediglich mit dem bereits Gewussten beschäftigt.


Mehr oder weniger offen wird immer wieder noch die Frage gestellt: Ist das überhaupt Kunst?
Eine Frage, die mich nicht interessiert, ob etwas Kunst ist oder nicht. Mich interessiert nicht die Frage, wie muss man das verstehen, sondern wie können wir uns über das, was wir wahrnehmen, sehen, anfassen, fühlen, verständigen, um rauszukriegen, was ist im traditionellen Wortsinn attraktiv an diesem Bild, an dieser Fotografie, an dieser Skulptur oder Installation, was zieht mich an, was berührt mich, was beschäftigt mich und worüber bin ich dann bereit zu kommunizieren? 
Es kann ja auch ein Moment von Privatheit und Intimität sein, das mich in dem Moment berührt, und dass es eben noch nicht öffentlich kommunizierbar ist.

Deshalb sind Führungen in Museen oft so langweilig, weil beschrieben wird, was ohnehin klar ist, man sich aber nicht einlässt, zu beschreiben, was sie eigentlich daran beschäftigt. Deshalb ist der Kunstbegriff vielleicht wichtig für Marketingfragen oder Galeriehierarchisierung, aber für die Auseinandersetzung mit Bildern ist sie nicht wichtig.


Was berührt Sie an dieser Kunst?
Wenn jemand unorthodox arbeitet, wenn ich einen Eigensinn sehe, wenn jemand absurde Konstruktionen wagt. Kunst berührt, wenn Sie einen Moment von Eigensinn, Ungeschütztheit und Selbstexponiertheit hat, ohne dass es inszeniert wird.

Das differenzierte Verhalten entlang eines Themas und in gewisser Weise schutzlos zu sein, nicht im Sinne, ich nehm mir jetzt vor, unkonventionell zu sein, ist spannend. Der Eigensinn ist ein Moment von Obsession und Neugier, das Bedürfnis nach Intensität und tatsächlicher, nicht kalkulierter Selbstexponiertheit.

In der Begegnung mit Kunst muss man sehen, wie man wieder raus kommt. Das ist das Risiko, denn man kann sich dort verlieren und kann dort ohne, dass man vorbereitet ist, ohne dass es gerade gebrauchen kann, sehr stark gestört werden und wenn man Pech hat, muss man sich darauf konzentrieren – auf diese Störung. Eine Störung aus Neugier ist für mich dabei interessant.


Es gibt einen Seminartitel von Ihnen „Kreativität als produktive Störung“. Was verstehen Sie darunter?
Ich unterscheide zwischen Phantasie und Kreativität und während ich Kreativität als eine eher institutionalisierte Form von Innovation in einem mehr oder weniger festgesteckten Rahmen sehe, also man versucht die beste Lösung innerhalb gegebener Parameter zu finden, ist Phantasie eher etwas, was nicht kalkulierbar ist.
Phantasie ist historisch betrachtet immer auch Ausdruck von Kritik und Nichtzufriedenheit.
Es gibt einen alten Text von Freud „Der Dichter und das Phantasieren“. Darin beschreibt er das Moment der Unzufriedenheit als Auslösemoment der Phantasie. 
Nach Alexander Kluge entfernt sich Phantasie immer nur so weit, so dass sie noch einen Realitätsbezug hat. Und sie kommt immer wieder an den Ausgangspunkt der Mangelerfahrung zurück und versucht diese erneut zu bearbeiten.
Kreativität ist also die beste Lösung innerhalb eines gegebenen Rahmens, während Phantasie den Rahmen gar nicht mitdenken kann, weil man nicht weiß, wo sie entsteht.


Wie sehen Sie dann die Phantasie und Kreativität von Menschen mit Behinderungen?
Wir haben eine historisch habitualisierte Form der Archaisierung und Genialisierung, neben der Pathologisierung.
Die institutionelle Auseinandersetzung ist die Pathologisierung, Stigmatisierung, Ausgrenzung und Marginalisierung von Gruppen. Auf der anderen Seite im Kreativbereich haben wir Genialisierung und Exotisierung – also das Etikett des Archaischen, Unverbildeten. Zugrunde liegt eine Vorstellung von Behinderung als eine bedingte Hermetik gegenüber Welt, in der sich ein ungestörter Nukleus von Ursprünglichkeit bewahrt hat. Diese archaische Mythen können durch künstlerische Mittel wieder sichtbar werden, also das Undisziplinierte, das Wilde, das Rohe. Ein durch Kulturationsprozesse nicht Überformtes, also quasi ein Refugium.

Es gibt keinen prinzipiellen Unterschied, sondern eher einen graduellen. Auch keinen strukturellen, denn Institutionen können immer eher mit Kreativität umgehen, weil sie überschaubarer ist, also ein kalkuliertes Risiko, was ja seine Berechtigung hat. Aber wenn parallel andere Orte existieren, ist es, aus meiner Sicht, nicht schädlich. Man könnte ausprobieren, wie man mit dieser doppelten Strategie vorangeht.


Was gibt uns die Kunst, die so geartet ist?
Auch hier möchte ich keine prinzipielle Antwort geben, sondern sie gibt mir, wenn mich etwas reizt an der Arbeit, an dem Thema oder Titel, etwas, worüber ich noch nicht nachgedacht habe, wo ich plötzlich erschrocken bin, wo ich neugierig bin und quasi entführt werde.
Mir ist es ganz wichtig, dass man nicht von Verführung, sondern Entführung spricht, in einen noch nicht geschützten Raum. Verführung hat immer etwas mit geschütztem Raum zu tun.
Die Entführung mit einem offenen Ende ist dieselbe wie bei einem Museumsgang. Es kann mir da und da passieren, dass ich wirklich gerührt bin, wobei  ich eher einen Auseinandersetzungsgegenstand sehe, wie weit sich jemand vorgewagt hat. Dieses Vorwagen in den noch nicht gesicherten Raum. Darin steckt ein hohes Risiko. Das ist wie eine Expedition. Ein paar kommen durch und ein paar kommen nicht durch. Ich würde es trotzdem nicht als Kulturdarwinismus beschreiben, sondern es gibt das kalkulierte Risiko,  auszuprobieren, wie mutig man ist, eine Idee zu verfolgen und wie stark man ist, um strukturelle Zwänge zu überwinden.


Was braucht diese Kunst Ihrer Meinung nach an Vermittlung? Braucht Sie diese überhaupt?
Ich bin ein bisschen skeptisch gegenüber dem Vermittlungsbegriff, weil er in der Regel von einem Bildungsgefälle und einer Wissenshierarchie ausgeht. Das ist ähnlich wie mit dem Toleranzbegriff, denn Toleranz setzt auch immer Hierarchie voraus. Einer gewährt dem Anderen Toleranz. Mit welchem Recht eigentlich? Das ist überhaupt nicht in der Diskussion.

Es gibt Denkwellen, die wichtig sind. Aber der Vermittlungsbegriff ist ähnlich limitiert wie der Kreativitätsbegriff, weil er in der Regel, nicht ergebnisoffen ist, sondern eigentlich schon das Ergebnis kennt und Didaktik als eine Strategie der Übertölpelungstechnik mit einem „hidden curriculum (heimlicher Lehrplan)“ nutzt. Wenn Menschen spüren, das sie quasi aus einer bildungshierarchischen Struktur heraus in den Genuss der Vermittlung kommen, sind die meisten mit Recht missvergnügt.
Wenn man in den Vermittlungsprozess offen hineingeht und wir versuchen, ob wir uns verständigen können, dann heißt das, dass man Alltagsexpertenwissen, die mediale Erfahrung und unterschiedliche Betrachtungen des Gegenstandes nebeneinander stellen kann.

Jeder, ob Künstler, Galerist, Kunsthistoriker, Käufer oder Sponsor, blicken unterschiedlich auf das Gleiche. Dabei wird das Egoistische der Betrachtung klar, aber gleichzeitig auch, durch die gemeinsame Fokussierung, die Komplexität des Gegenstandes sichtbar und im Nebeneinander merken wir, wie komplex und unterschiedlich diese Betrachtungen sind.

Wir danken sehr für das Gespräch.





Alejandra Rubies

Porträt von Alejandra Rubies an einem Strand

Künstlerin, lebt und arbeitet in Berlin und Barcelona

Seit April 2011 auch vertreten in der Online-Galerie


Was bedeutet für Sie Kunst?
Kunst ist eines der wenigen wunderbaren Dinge, zu denen die Menschen in der Lage sind, um ihrer Seele, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Ich habe keine ultimative Antwort auf die Frage was Kunst ist. Sie ist unsere spirituelle Seite, die Verbindung mit dem Universum, mit dem Ganzen und deshalb hat sie etwas Magisches, Unbeschreibliches, nicht Rationales. Darin liegt ihre Freiheit und ihre Chance…

Warum machen Sie Kunst?
Immer wieder wird mir klar, dass ich meine Seele und ihre Bewegungen darstelle. Im Malen beruhige ich sie und es hilft mir, mich und die Welt besser zu verstehen. Vielleicht ist das egoistisch, aber wahrscheinlich ist nur dann der Künstler authentisch und stellt Fragen, die ohne seine Bilder nicht gestellt würden und eröffnet Einblicke, zu denen es sonst keinen Zugang gäbe.

Seit wann sind Sie künstlerisch tätig?
Schon sehr lange. Vielleicht gibt es seit fünfzehn Jahren ein Selbstverständnis, Künstlerin zu sein. Das hing weniger von zunehmenden Verkäufen oder Ausstellungen ab, als endlich zu wissen, ja, das will ich, das muss ich tun.

Haben sie ein grundsätzliches Thema oder Motiv?
Wohl immer genau hinzuhören wie meine Seele klingt und das in ein Bild zu fassen, wofür es keine Sprache gibt. Auch die Seele hat dieses Magische, Unbeschreibliche und nicht Rationale.

Frauen sind ein wichtiges Leitmotiv. Ihre Köpfe, in denen meist große Verwirrung herrscht – je größer die Verwirrung, umso größer werden die Köpfe. Ihre wirren, langen Haare tauchen immer wieder auf. In ihnen kann sich vieles verbergen, verfangen, aber es auch zieren, schmücken. Sie sind Ausdruck von Weiblichkeit, genauso wie die Schuhe oder Strapse, die immer wieder in meinen Arbeiten auftauchen... Meine Leitthemen sind Leidenschaft, Humor, Erotik. 

Gezeichneter Frauenkopf mit geschlossenen Augen und wirren schwarzen Haaren

Bevorzugen Sie ein bestimmtes Material, eine Technik oder ein besonderes künstlerisches Ausdrucksmittel?
Neben den Leinwänden, auf denen ich meist arbeite, die ich sehr oft auch überarbeite, reizen mich  immer wieder neue Materialien.  Meistens entdecke ich ein Material wie schwere Holzteile oder feine, fließende Seide und lasse mich von dem Material inspirieren.

Gibt es für Sie künstlerische Verwandte oder Leitbilder in der Kunstgeschichte?
Pablo Picasso und Frida Kahlo, Miquel Barceló ... 

Wie und wann arbeiten Sie am liebsten?
Am liebsten arbeite ich ab Nachmittag, ab der blauen Stunde. Und ich brauche einen guten Raum, der für mich eine inspirierende Atmosphäre hat. Die kann ich nicht beschreiben, aber dazu gehört auch Platz. Und ich arbeite gerne bei Musik, immer häufiger klassischer Musik, aber auch bei Flamenco, der meinem Wesen sehr nahe ist und meine Seele zum Klingen bringt.

Worin sehen Sie Ihre künstlerische Herausforderung?
In der andauernden Veränderung und Weiterentwicklung.

Was ist Ihr künstlerischer Traum?
Wieder einmal mit Musikern zusammen zu arbeiten, zu versuchen ihre Form der Improvisation in der Malerei zu erkunden.

Wo würden Sie Ihre Arbeiten gerne zeigen?
Es gibt in Barcelona eine kleine Kapelle, das wäre super. Ansonsten würde ich zum Beispiel gerne in einem afrikanischen Land ausstellen.

Wo leben Sie? Wo würden Sie gerne leben?
In Berlin und Barcelona. Am Meer.

Was ist für Sie Glück?
Meine Kunst machen zu können. Mit meiner Tochter zusammen zu sein.

Woran misst sich Erfolg?
Dass meine Kunst gesehen wird, von vielen Menschen. Dass sie sie berührt. Dass sie etwas von der Magie spüren. Nicht in Geld. Das beeindruckt mich nicht.

Nennen Sie uns einen privaten Traum für Ihr Leben?
Ich möchte gerne noch einmal in einem lateinamerikanischen Land zu leben. Ich habe das Gefühl, dass dort etwas ist, das ich noch finden kann.

Zeichnung einer nackten Frau von hinten gehend mit wirren Haaren in Strümpfen und hohen Schuhen, ein Fuß ist nur undeutlich zu erkennen.

Möchten Sie über Ihr Handicap sprechen? Was bedeutet es für Sie?
Mein Handicap ist schwer mit einem Wort zu beschreiben. Es ist eine psychische Instabilität, die immer wieder zu körperlichen Erkrankungen führt. Das hat ein Hinken zur Folge gehabt, das blieb, so dass ich nicht mehr lange gehen kann.
Auch psychisch komme ich durch häufige Überforderung immer wieder an meine Grenzen. Ich leide unter permanenter Schlaflosigkeit. 

Hat es Einfluss auf Ihre Kunst?
Ja, beispielsweise bei der Materialwahl der Seide, mich fließenden, weichen, nicht schweren Materialien zuzuwenden.
Auch fällt mir auf, dass ich in den letzten Jahren immer Frauen mit einem Stiletto male, den ich überhaupt nicht mehr tragen kann, der aber für mich der Inbegriff des Weiblichen ist, so wie auch die Haare einer Frau. Ein Fuß verschwindet immer, fast wie ausgeblendet. Das ist aber kein bewusster Akt, aber zeigt, was mir fehlt. 

Wie kamen Sie zu Insider Art?
Durch unser Gespräch über meine Kunst in einer Ausstellung von mir. Ich fühlte mich in den Fragen „erkannt“ und hatte Mut, frei über den Schmerz, der sich in den Bildern verbirgt, zu sprechen. Mir wurde erstmals so deutlich bewusst, dass auch ich ein Mensch, eine Künstlerin mit Handicap bin. Diese Erkenntnis war nicht leicht, aber auch eine Befreiung. Und auch deutlich spürbar, warum ich darüber im Kunstbetrieb nicht spreche. Dahinter steckt tatsächlich eine Angst, dort nicht zu bestehen oder stigmatisiert zu werden. Das hat mich fasziniert an Deiner Arbeit, dass Du dem entgegentrittst, dass Du genau dorthin zeigst, was auch unter Künstlern eher tabuisiert wird. Leistungsfähigkeit und Funktionalität sind auch Erwartungshaltungen an uns, denen aber kaum ein Künstler standhalten kann.

Was bedeutet Ihnen die Präsentation Ihrer Arbeiten in der Online-Galerie?
Es bedeutet Auseinandersetzung und vor allem eine Annahme meiner Versehrtheit,  meiner Verletzlichkeit, mit meinem Sosein. Aber dass genau vor diesem Hintergrund meine Kunst entsteht, vielleicht nur entstehen kann.
Und es bedeutet auch Solidarität mit Künstlern, von denen ich mich wenig unterscheide, vielleicht nur dadurch, dass ich die Wahl habe, mein Handicap zu verbergen im Außen. Aber was ist das für eine Wahl, sich zu verstecken, sich nicht zeigen zu können? Ich bin gegen diese Stigmatisierung und ich liebe unbequeme Themen. Behinderung, Verletzungen, Imperfektionismus treffen uns alle tief.

Was glauben Sie kann diese Plattform verändern, bewegen?
Sie ist für mich ein Beitrag für mehr Menschlichkeit, für die Akzeptanz, so zu sein wie wir sind, auch fehlerhaft, nicht immer funktionierend, Seelenwesen auf der Suche nach Antworten auf das Leben und die Welt.
Insider Art kann wirklich eine Perspektive ändern, nämlich dass Behinderung, Verletzung und Schmerz ein wesentlicher Teil unseres Lebens und unserer Persönlichkeitsentwicklung sind – und ermutigen, diesen Teil anzunehmen und zu integrieren.

Zu den Arbeiten von Alejandra Rubies

Alejandra Rubies und Diego Paqué auf Youtube


Alejandra Rubies und der Musiker Diego Paqué in einem Atelier in Berlin. Während er auf der Gitarre improvisierte, erkundete sie seine Musik in spontanen Zeichnungen.

Abbildung des Logos clicks4charity

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