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Dr. Beate Elsen-Schwedler

Abbildung von Dr. Beate Elsen-Schwedler

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Dr. Beate Elsen-Schwedler über Hans-Jürgen Radecke

„Es gibt keine Abstrakte Kunst“, behauptete Picasso 1935 und weiter, „man muss immer mit etwas beginnen. Nachher kann man alle Spuren der Wirklichkeit entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dings inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat. Es ist das, was den Künstler ursprünglich in Gang gebracht hat, seine Ideen anregt, seine Gefühle in Schwung gebracht hatte. Ideen und Gefühle werden schließlich Gefangene innerhalb seines Bildes sein. Was auch mit ihnen geschehen mag, sie können dem Bild nicht mehr entschlüpfen. Sie bilden ein Ganzes mit ihm, selbst wenn ihr Vorhandensein nicht länger unterscheidbar ist.“¹

Gleiches könnte wohl auch Hans-Jürgen Radecke (*1944 Oschatz) von sich und seine Bildern sagen, denn trotz der Deutlichkeit und Wiedererkennbarkeit einzelner gestalterischer Elemente bleiben seine Bilder, mit ihren in Netze von Linien und heftig ausfahrenden Farbspuren eingebundenen Zeichen, Kürzeln und Grafismen für den Betrachter so faszinierend wie rätselhaft.

Noch nicht mal die Gattung der Werke ist eindeutig zu klären, denn Gezeichnetes und Gemaltes erscheint gleichermaßen in Zeichnungen und Gemälden. Hinzu kommt, dass uns in allen Werken ein leitmotivisch gestalterisches Element begegnet. Es sind die in Variationen auftretenden Bögen, Durchbrüche oder Rahmen, an denen der Künstler offenbar Maß nimmt. Sie helfen uns zugleich, unseren Vorstellungen von „oben“ und „unten“ eine Orientierung zu geben. Was auseinander drängt, oder drängen könnte, wird hier zusammengehalten. In den spontanen, seltsamen, zumeist blauschwarzen, mächtigen Zeichen, in denen Figuren auftauchen können, aber offenbar nicht müssen, äußert sich ein ganz persönlicher Ausdruckswille in dem Abstraktes und Unmittelbares, Überliefertes und Erfahrenes sehr souverän in einer Geste kurzgeschlossen werden.

Welche Art Wirklichkeit begegnet uns also in Radeckes Bildern? Der Befund ist zwiespältig, da gängige (Ein)Ordnungsprinzipien wie: informell, expressiv, gestisch, abstrakt, konkret oder surreal aus gutem Grunde versagen. Ganz sicher geht es nicht um Surrealismus, aber möglicherweise schauen wir hier in eine surreale Welt. Auch um Moderne, um noch mal auf die Ordnungsprinzipien zu kommen, werden die Gedanken Radeckes nicht kreisen, aber um die Empfindung des Zeitlosen im Sinne des fortwährenden Moments, den es mitzuteilen gilt. Und war es nicht auch Picasso, der forderte, „In der Malerei wie im Leben muss man ohne Umwege verfahren“?²

¹ Pablo Picasso Bekenntnisse 1935, in: Pablo Picasso, Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Zürich 1954, S.8
² a.a.O.


Biografie

Beate Elsen-Schwedler (*1961)

Studium der Kunstgeschichte, der Philosophie, des Städtebaus und der Völkerkunde in Bonn. Promotion über Joseph Beuys. Publikationen und Lehraufträge zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Seit 1993 Ausstellungskuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst im Museum Würth, seit 2001 auch in der Kunsthalle Würth. Seit 2006 stellvertretende Museumsleitung von dem Museum und der Kunsthalle Würth und seit 2007 Prokuristin der Adolf Würth GmbH & Co. KG

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Arbeit 1 von Hans-Jürgen Radecke: Präsentkörbe I
Arbeit 2 von Hans-Jürgen Radecke: Präsentkörbe II
Arbeit 3 von Hans-Jürgen Radecke: Ohne Titel
Arbeit 4 von Hans-Jürgen Radecke: Ohne Titel
Arbeit 5 von Hans-Jürgen Radecke: Ohne Titel
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