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Kathrin Becker

Abbildung von Kathrin Becker

Die Mensch Maschine.

Kathrin Becker über Michael Globisch

Wenn wir Michael Globischs Kunst als "Computer generiert" charakterisieren, ist das zunächst nicht mehr als die Beschreibung einer Kunstgattung, die eben den Computer als künstlerisches Werkzeug benutzt. Damit ist nicht viel mehr gesagt, als mit anderen Kategorisierungen, wie etwa "Malerei", "Skulptur" oder "Fotografie". Und doch ist die Aussage von der Computerbasiertheit von zentraler Bedeutung für das Verständnis von Michael Globischs Werk.

Was also generiert er mit seinem Rechner? Es sind Collagen, die auf gefundenem visuellem Material basieren, das teilweise eine "Hochglanzästhetik" aufweist: Bilder von perfekten Männern und Frauen, mit perfekten Gesichtern und Körpern, exakten Posen, adäquatem Styling. Die Behandlung dieses visuellen Materials hat eine große Affinität zu traditionellen Collagetechniken, es wird fragmentiert, zerstückelt, vervielfältigt und in oft surreal anmutenden Kompositionen und befremdlichen, mitunter apokalyptisch wirkenden Umgebungen neu zusammengesetzt. Hier sind die Arbeiten auch durchsetzt von symbolisch aufgeladenen Motiven.

In 070216-1665 (Arbeit 3) gerät ein Anzugträger zum gefallenen Engel mit weißen Flügeln, der kopfüber vom Himmel stürzt. In 061217-1610 (Arbeit 5) wird ein cooles Männergesicht mit Sonnenbrille von einem an eine Dornenkrone erinnernden Nimbus umrahmt und mit einem Vogelkörper kombiniert, der auf dem Stiel einer weißen Lilie hockt. 040123-1024 (Arbeit 4) zeigt einen weiblichen Torso, kopflos und eingezwängt zwischen diversen amorphen Körpern und rätselhaften Oberflächen. Neben Referenzen aus der Massenkultur der Magazine bedient sich Globisch also auch kunsthistorischer Verweise, denn der gefallene Engel in 070216-1665 (Arbeit 3) steht ebenso in einer spezifischen kulturellen und visuellen Tradition wie auch die weiße Lilie in ihrer christlichen Symbolkraft. Darüber hinaus - und das halte ich für wesentlich im Verhältnis zur traditionellen Collagetechnik - verstärkt sich in Globischs Arbeit als Computercollagen durch ihren "Maschinenbezug" eine gegenwartskritische Dimension in Bezug auf unsere Existenz in einer technologisierten Welt.

Sein Verhältnis zu dieser Welt, dem nicht nur die Subjekte in seinen Bildern ausgesetzt sind, sondern auch er selbst, ist vielschichtig und mehrdimensional, bei aller Dekonstruktion operiert Globisch auch sehr bewusst mit Elementen einer visuellen Attraktivität. Dem fragmentierten Subjekt in den Collagen aber steht ein Autor zur Seite, der mit der Wahl des Computers als Werkzeug auch ein kritisches Verhältnis zum Originalbegriff in der Kunst und damit auch dem Künstlergenie eingeht. Denn Computer generierte Werke wie im Falle von Globisch sind als "Ausdrucke" unterschiedslos reproduzierbar und haben damit das Potenzial zur entindividualiserten Serienproduktion. Dem entspricht auch, dass Globisch den Werken keine Titel im eigentlichen Sinne gibt, sondern sie mit Zahlenkombinationen bezeichnet. Gleichzeitig entstehen die Werke in dem Bewusstsein einer originären, kreativen Gestaltungskraft, die erst durch die kritische Haltung zu ihre Umgebung katalysiert wird.

Es ist dieser bewusste Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen Mensch Maschine und dem bedrohten, unverwechselbaren individuellen Sosein, das die seismographische Qualität von Michael Globischs Arbeit ausmacht.

Biografie

Kathrin Becker (*1967)

Kathrin Becker studierte Kunstgeschichte (Magister Artium mit summa cum laude) und Slavistik an der Ruhr-Universität Bochum, der Moskauer Staatlichen und der Leningrader Staatlichen Universität.

Seit 1991 arbeitete sie als freie Kuratorin und Publizistin an der Konzeption und Realisation zahlreicher Ausstellungsprojekte zur internationalen Gegenwartskunst. Seit 2001 ist sie Geschäftsführerin des Neuen Berliner Kunstvereins (NBK) und leitet das Video-Forum. Sie realisierte in diesem Zusammenhang Ausstellungen, zahlreiche Videoscreenings und Künstlergespräche zum Thema aktueller Videokunst.

Kathrin Becker veröffentlicht darüber hinaus in internationalen Fachzeitschriften und Katalogen, hält wissenschaftliche Vorträge und juriert im In- und Ausland. Seit 2005 ist sie Mitglied des Planungsgremiums der SK Stiftung Kultur in Köln und seit 2008 Mitglied des Expertenbeirats der Moskauer Internationalen Kunstmesse "Art Moscow".

Mehr über Kathrin Becker und ihre zahlreichen realisierten Projekte erfahren Sie auf ihrer Webseite.

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Arbeit 1 von Michael Globisch: Ohne Titel (060606-1500)
Arbeit 2 von Michael Globisch: Ohne Titel (060821-1561)
Arbeit 3 von Michael Globisch: Ohne Titel (070216-1665)
Arbeit 4 von Michael Globisch: Ohne Titel (040123-1024)
Arbeit 5 von Michael Globisch: Ohne Titel (061217-1610)
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