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"Ich habe niemals meine Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Realität." Frida Kahlo (1907 - 1954)

Auf dem Selbstbildnis ist Frida Kahlos Körper in ein Stahlkorsett eingeschnürt, die Wirbelsäule offengelegt und die Haut über und über mit Nägeln bespickt. Ihr Gesichtsausdruck ist abwesend, der Körper geschunden, aber in einer aufrechten und starken Haltung.
Abbildung: Frida Kahlo, Die gebrochene Säule, 1944, © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo, Museums Trust, courtesy Schirmer/Mosel, Bild 4: © Nickolas Muray, courtesy Schirmer/Mosel


Am 6. Juli 1907, wurde die wohl bekannteste behinderte Künstlerin geboren: die Mexikanerin Frida Kahlo. Dieser Ruhm ist ihren unverkennbaren, farbenprächtigen und intensiven Bildern zuzuschreiben. Aber die Einflüsse ihres Lebensschicksals auszublenden, würde ihrem künstlerischen Schaffen nicht gerecht. Denn losgelöst von den Leiden und Beeinträchtigungen, mit denen sie bis zu ihrem Tod zu kämpfen hatte, wäre ihre Kunst so wohl nicht denkbar. Und sie offenbart uns die Essenz von Leben und Vergänglichkeit, zu der ihr ihr Talent, aber auch ihr Leiden einen besonderen Zugang verschaffte.

Frida Kahlo wurde als Tochter eines emigrierten Deutsch-Ungarns und einer Mexikanerin in Coyoacán, einem Stadtteil von Mexiko Stadt, geboren. 

Im Alter von acht Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung, worauf sie ihr Leben lang hinkte. Fridas Vater brachte ihr schon im Kindesalter die Liebe zur Kunst und Kultur nahe. Als Jugendliche lernte sie von ihm kolorieren, retuschieren und fotografieren. Das Malen brachte sie sich autodidaktisch bei.

Mit 18 Jahren wurde sie bei einem Unfall mit einer Straßenbahn schwer verletzt. Eine Haltestange bohrte sich in ihren Unterleib und brach ihr zahlreiche Knochen. Anhaltende lebenslange Schmerzen waren die Folge und der für sie kaum erträgliche Verlust ihrer Gebärfähigkeit. Beides konnte sie zum Teil nur mit Alkohol, Exzessen oder Morphium ertragen.

Nach diesem tragischen Unfall begann Frida Kahlo zu malen und verarbeitete die schweren Schicksalsschläge in Gemälden. Eine speziell angefertigte Staffelei und eine besondere Spiegelinstallation ermöglichten ihr dies. In dieser Zeit entstand eines ihrer berühmtesten Bilder „Die gebrochene Säule“. Das Malen wurde zum Ausdruck ihrer seelischen und körperlichen Qualen, ihres Überlebens. Zurückgeworfen auf sich selbst, erträumte sie die Außenwelt und hatte als einziges lebendes Modell zunächst nur ihr Abbild in einem Spiegel.

„Ich bin nicht krank, sondern gebrochen. Aber ich bin glücklich über mein Leben, solange ich malen kann.“

Nachdem sie genesen war, lernte sie den renommierten Maler Diego Rivera kennen, der die große Liebe und zentrale Figur ihres Lebens war. Zweimal heirateten sie; die Beziehung war geprägt von großer Leidenschaft, bitterem Verrat und tiefer Zärtlichkeit. Nach ihrem Tod bekannte Rivera, sie sei das Wichtigste in seinem Leben gewesen. Frida Kahlo notierte in ihren Tagebüchern, sie hätte ohne Diegos Liebe das qualvolle Dasein nicht ertragen können.

„Die Finsternis ihres Schmerzes ist der samtartige Untergrund für das wunderbare Licht ihrer körperlichen Kraft, ihrer verfeinerten Sensibilität, ihrer leuchtenden Intelligenz und der unbesiegbaren Kraft, mit der sie um das Leben kämpft“, so beschrieb Rivera den Einfluss von Fridas Krankheit und Behinderung auf ihre Kunst.


Ein verletzter Hirsch mit dem Gesicht von Frida Kahlo liegt von unzähligen Pfeilen verwundet und blutend in einem kahlen Wald. Im Hintergrund erkennt man Wasser, darüber entladen sich Blitze aus dicken Wolken. Im Vordergrund liegt ein abgebrochener Ast eines Baumes. Nur er trägt noch Blätter.
Abbildung: Frida Kahlo, Der verletzte Hirsch, 1946, © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo, Museums Trust, courtesy Schirmer/Mosel, Bild 6: © Nickolas Muray, courtesy Schirmer/Mosel



Zeitlebens war ihr ein Körper im Wege, gegen dessen Verfall sie sich mit aller Kraft und nicht zuletzt mit ihrer Kunst wehrte. Trotz aller Qualen war sie lebenshungrig, leidenschaftlich, kämpferisch und eigensinnig. Zur Eröffnung ihrer ersten Einzelausstellung 1953 in Mexico City ließ Frida sich in ihrer wunderschönen Tehuana-Tracht mit ihrem Bett in die Galerie stellen und wurde gefeierter Mittelpunkt der Ausstellung.


Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe?

Wenige Monate darauf musste ihr rechtes Bein amputiert werden und fesselte sie an den Rollstuhl. „Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe?“ behauptete Frida Kahlo 1953 nach der Amputation des rechten Beines immer noch mutig und starrsinnig. Dennoch versank sie von da an immer mehr in sich selbst. Ihre letzten Lebensmonate waren von starker Drogenabhängigkeit geprägt, was sich in den grellen Farben und hektischen Pinselstrichen ihrer letzten Bilder widerspiegelt. Interessant ist auch, dass das mit dem Kohlestift ausgestrichene, amputierte Bein auf allen Blättern nie das tatsächlich rechte, sondern - wie im Spiegelbild - ihr linkes Bein zeigt - ein Zeichen ihrer Selbstreflexion und ihrer zunehmenden Distanz von sich selbst.

Im Alter von 47 Jahren verstarb die Künstlerin in ihrem Haus in Coyoacán in Mexiko am 13. Juli 1954 an den Folgen ihres langen Leidensweges und hinterließ einen großen kulturellen Schatz in Form von Gemälden, Skizzen, aber auch Tagebüchern, Briefen und Poesie.


Selbstbildnisse, um sich des Lebens zu vergewissern


Raquel Tibol, eine Freundin und Vertraute, fand eine wunderbare und treffende Metapher für ihr Schaffen: "In Fridas Bildern mischt sich die Ölfarbe mit dem Blut ihres inneren Monologs."'

Um zu überleben, sich immer wieder ihres Lebens zu vergewissern, malte Frida Kahlo in ihren detailgenauen, überwiegend kleinformatigen Selbstbildnissen, meist 20x30cm, sich die körperlichen und seelischen Verletzungen von der Seele. Tief verwurzelt in der indianischen Mythologie ihrer Heimat, benutzte sie eine symbolhafte, oft rätselhafte Bildsprache. Immer wieder  tauchen Symbole seelischer und körperlicher Wunden in ihren Arbeiten auf. Dass ihre Werke surrealistische Einflüsse aufweisen, lehnte sie selbst immer vehement ab.

"Man hielt mich für eine Surrealistin. Das ist nicht richtig. Ich habe niemals meine Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Realität."

Sie ging ihren sehr individuellen und authentischen Weg und ließ sich von keiner Kunstströmung vereinnahmen. Frida Kahlo lebte, wissend um ihre Zerbrechlichkeit, ein turbulentes Leben - eine wilde Mischung aus Pathos und Passion, Exzessen und Einsamkeit, Politik und Revolte, glühendem Kitsch und großer Kunst - gepaart mit dem Humor der Verzweiflung und einem ihr eigenen Überlebenswitz. Ihr ist es gelungen, ihr körperliches und seelisches Leiden über die Kunst in die Welt zu integrieren und hat sich mit Versehrtheit und Vergänglichkeit so selbstverständlich und vorbehaltslos auseinandergesetzt, wie man es nur von wenigen anderen Künstlern kennt.



Abbildung des Buchtitels "Frida Kahlo – Die Malerin und ihr Werk", Ausschnitt eines Selbstporträts mit einem Äffchen auf der Schulter

Unser Literaturtipp:

Helga Prignitz-Poda
Frida Kahlo – Die Malerin und ihr Werk
Verlag Schirmer/Mosel
Erschienen April 2010
Broschierte Sonderausgabe im verkleinerten Format 21 x 25 cm
264 Seiten, 121 Farbtafeln, 54 Abbildungen
ISBN 978-3-8296-0457-4
29,80 Euro



Zum Inhalt: Das Werk von Frida Kahlo ist klein. Es umfasst nur 143 Gemälde, die auch im Format klein sind, selten über 20x30 oder 40x60 cm hinausgehen. Und dennoch wurden einige ihrer Bilder zu Ikonen des 20. Jahrhunderts: „Die gebrochene Säule“ etwa oder „Der verwundete Hirsch“. Als "farbiges Band um eine Bombe" bezeichnete André Breton, einer ihrer vielen Bewunderer aus der europäischen Avantgardeszene, die Kunst Frida Kahlos. Exotisch und explosiv, sinnlich und faszinierend vital in ihrer künstlerischen Aussage, spiegeln Kahlos Bilder eine komplexe, oft erschreckende Seelenlandschaft - "meine innere Wirklichkeit", wie sie selbst sagte. Die Monographie zeigt 42 ausgewählte Meisterwerke in voller Größe vierfarbig reproduziert und zusätzlich in den interessantesten Details. "Lesbar" gemacht durch die erklärenden Texte von Helga Prignitz-Poda, erschließt sich Frida Kahlos Kunst den Sinnen wie dem Intellekt und entfaltet den ganzen Reichtum ihrer ungeheuer vielschichtigen Bildsprache. (Schirmer/Mosel)

 

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