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Kunst als existenzielle Erfahrung und als Chance für Veränderung

31.10.2011

Ausschnitt der Skulptur "Schicksalsmensch" von Rudolf Werner

„Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzige evolutionäre Kraft. Das heißt, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich die Verhältnisse ändern.“ Das ist einer der zentralen Gedanken Joseph Beuys, den er 1972 in einem Interview formulierte. Auch wir sind überzeugt, dass Kunst die Kraft hat, das Sehen, das Denken und die Verhältnisse zu ändern. Daran arbeiten wir als Galerie, aber vor allem belegen das wieder drei neue Künstler eindrucksvoll und jeder auf seine Weise:  Rudolf Werner aus Würzburg, Theresia Haghofer aus Wien und Julia Machleit aus Berlin.

Die beiden jungen Künstlerinnen, beide 1992 geboren, haben schon früh schwere Lebenskrisen erlebt. Für beide bedeutete ihre Kunst, eine Ausdrucksmöglichkeit, das in Bilder zu fassen, für das es keine Sprache gibt - und zu überleben. Kunst als existenzielle Erfahrung. Kunst als Chance für Veränderung. Kunst als Kommunikationsform, als Stimme, die zwar keine Worte, aber Bilder hat.

Besonders fallen die Arbeiten von Julia Machleit und Rudolf Werner auf, denn sie sind einige der wenigen Künstler, die offensichtlich das Thema Anderssein und Behinderung thematisieren.

Anderssein gehört noch nicht zur Normalität in unserer Gesellschaft

Julia Machleit ermöglicht mit ihren Bildern und Motiven dem Betrachter eine aufschlussreiche Innensicht - vor allem eines jungen Menschen mit einem Handicap - wie er angestarrt und ausgegrenzt wird, und sie kritisiert, dass dieses Anderssein immer noch nicht zur Normalität in unserer Gesellschaft gehört.

Empfehlenswert sind ihre Beschreibungen zu ihren Arbeiten wie beispielsweise folgende für „Sehnsucht nach Mee(h)r“:

„Es zeigt das Meer und Menschen, die schwimmen. Links im Bild sitzt ein Mädchen verhüllt. Das Mädchen bedeckt sich mit einem schwarzen Umhang, um nicht ihr Handicap zu zeigen. Sie fürchtet die Blicke und die Kommentare von den Menschen am Meer. Sie will einfach nur entspannen. Doch sie hat Sehnsucht nach Meer und Mehr. Sehnsucht  wieder schwimmen zu gehen. Das Meer zu spüren, aber auch Sehnsucht nach Mehr. Sie sehnt sich nach Freiheit, Normalität, keine neugierigen Blicke, keine würdelosen Kommentare. Sehnsucht nach Akzeptanz und Toleranz. Sehnsucht nach Mehr.“

Die gehörlose Welt den Hörenden näherbringen

Rudolf Werner, ein gehörloser Künstler, ist es seit vielen Jahren ein wichtiges Anliegen,  die gehörlose Welt den Hörenden näher zu bringen. In seinen Arbeiten sieht er die große Chance, Diskriminierung und Vorurteile abzubauen sowie Verbindung und Verständigung  zwischen Gehörlosen und Hörenden herzustellen. Vor allem seine Skulptur „Schicksalmensch“ beschrieben mit 2756 Worten ist ein faszinierendes Zeugnis der gefühlten Welt der Gehörlosen.

Kunst - die Vermittlerin des Unaussprechlichen

Der Abbau von Barrieren und Vorurteilen in allen Bereichen der Gesellschaft  kann nur gelingen, wenn wir erfahren wie Menschen mit Behinderungen die Welt und ihre Diskriminierung erleben. Denn sie sind die wahren Insider und nur durch ihre Innensichten wissen und vor allem erspüren wir, was die tatsächlichen Barrieren und ihre besonderen Bedürfnisse sind.
Viele haben dafür keine Worte, aber ihre bildnerische Ausdruckskraft. Diese ist oft von hoher künstlerischer Qualität, berührender Intensität und unverstellter Authentizität. Daher ist sie eine wichtige Brücke für eine Verständigung, oftmals die einzige, um das auszudrücken, was - aus welchen individuellen Gründen - unaussprechlich ist.

Deshalb sind gerade diese künstlerischen Beiträge von Menschen mit Handicaps so wichtig und wertvoll, um ihre Belange, Ängste, Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen gestaltend und selbstbestimmt mit in die Gesellschaft einzubringen.

Diesen Künstlerinnen uns Künstlern gilt unser ganzer Respekt und unsere aufrichtige Wertschätzung, dass sie uns unvergessliche Bilder schenken und für ihren Mut, sich oft schonungslos zu öffnen und uns somit einen Zugang zu ihren Innenwelten - und letztendlich den existenziellen Fragen des Lebens - zu eröffnen.


[Zu der Künstlerin Julia Machleit]
[Zu der Künstlerin Theresia Haghofer]
[Zu dem Künstler Rudolf Werner]

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