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Rendezvous with Tomorrow - Eine futuristische Weihnachtsgeschichte

14.12.2015

Eine Computercollage von Michael Globisch mit dem Titel "Rendezvouz with Tomorrow"

In ein paar Tagen werde ich 90 Jahre alt. Ende 2015, also vor fast 35 Jahren, versuchte ich mir die Zukunft der Kultur in unserem Land vorzustellen. Damals standen viele Herausforderungen an: die Gesellschaft alterte rapide, marginalisierte Gruppen wie arbeitslose, behinderte und arme Mitmenschen wurden zunehmend ausgegrenzt. Viele Flüchtlinge kamen nach Deutschland. Ende 2015 waren es eine Million.

Wenn wir nur damals geahnt hätten, wie sehr uns die Neuankömmlinge bereichern würden - menschlich, aber besonders auch kulturell. Obwohl viele von ihnen nach ein paar Jahren in ihre Heimatländer zurückkehrten, um sich dort am Wiederaufbau zu beteiligen. Vieles haben sie an Knowhow und deutscher Kultur mitgenommen. Deshalb sind besonders Syrier und Deutsche bis heute sehr freundschaftlich verbunden und in einem engen, persönlichen und kulturellen Austausch.

Aber zurück zu damals. Die Armut in Deutschland wuchs mit den überforderten, veralteten Sozialsystemen, die Bürokratie war unbeweglich und am dramatischsten - Bildung war nicht allen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich. Kultur und kulturelle Bildung wurden hinsichtlich des Zusammenhalts unserer Gesellschaft völlig und sträflich unterschätzt. Die Auswirkungen spürten wir schmerzlich Ende der 10er Jahre. 

Gravierende Kürzungen im kulturellen sowie soziokulturellen Bereich eliminierten wichtige Projekte. Damals, Ende des Jahres 2015, fragten sich viele besorgt, wie wird unser Zusammenleben und wie wird unsere Kulturlandschaft wohl im Jahr 2050 in 35 Jahren aussehen?

Heute ist es kaum mehr vorstellbar, wie wenig damals kulturelle Bildung und die Wahrung kreativer Denk- und Freiräume wertgeschätzt wurden und wie viel Chancenungerechtigkeit es damals noch gab. Lange begriffen die politisch Verantwortlichen nicht, wie wichtig dieser kulturelle Wandel war und dass es um das Überleben unserer Zivilisation ging. 


Ministerium für Kultur, Werte und Inklusion
Heute, 2050, ist die Kultur das Fundament und Leitbild unserer Gesellschaft und definiert ihre Werte und ihr Handeln. Vor allem seit dem Verlust der Nationalstaatlichkeit, gibt es nur noch Kulturräume. Sie sind der soziale und kulturelle Kitt der früheren Nationen. Niemand darf deshalb vom kulturellen Leben ausgeschlossen sein, denn hier findet Bildung, Identitätsfindung und Mitgestaltung statt.

Inklusion ist erklärtes Staatsziel, Kultur ein Grundrecht. Dies symbolisiert das Ministerium für Kultur, Werte und Inklusion. Verstöße wie Ausgrenzung oder Diskriminierung von Menschen werden nicht geduldet und sanktioniert. Zu groß ist die Gefahr, dass diese Ausgegrenzten sich gegen die Gemeinschaften richten. Leider haben wir erst nach dem verheerenden Attentat in Deutschland daraus gelernt. Danach firmierte sich eine große Kulturbewegung mit dem Slogan „Bildung statt Bomben – Kultur statt Krieg“. In Deutschland gründete sich die erste Kulturpartei.

Aber auch die Spiele-Industrie hat Wesentliches zu unserem heutigen Fortschritt beigetragen, der die Möglichkeiten und die Lebensqualität aller deutlich verbessert hat. Sie hat sich kontinuierlich zu der zentralen und stärksten Wirtschaftsmacht entwickelt, mit der viele Branchen eng zusammenarbeiten.


Auflösung der Limitierungen
Kultur und kulturelle Vermittlung sind durch neueste Techniken immer attraktiver geworden, um alle für die eigene Kultur zu begeistern, besonders auch junge Menschen zu erreichen. Künstler, Designer und Gamerds (eine Wortschöpfung aus Gamern und Nerds aus den 20er Jahren) genießen ein hohes Ansehen und werden in allen Bereichen des Lebens, in Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung als kreative Köpfe, Quer- und Vordenker beschäftigt. 

Virtual Reality hat nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das soziale und kulturelle Leben völlig verändert. In immersiven Echtzeit-3D-Umgebungen und mit dem Brain-Computer-Interface (BCI) ist die Auflösung der Grenze zwischen Mensch und Medium gelungen. Beeinträchtigungen jedweder Art sind längst kein Nachteil mehr, denn Umgebungen sind inklusiv und behindern nicht mehr. 

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und an kulturellen Angeboten ist für alle Menschen möglich – ob arm, alt, erkrankt oder behindert. Soziale Barrieren heben sich auf. Jeder kann den physischen Körper verlassen und in virtuelle Räume, Bilder und Kunstwerke oder in die Welt eines Filmes oder Buches eintauchen - mit allen fünf Sinnen. 


Virtuelle Räume beliebte Treffpunkte für Kulturinteressierte
Galerien und Museen sind heute VR-Räume und sind sehr beliebte, kulturelle Treffpunkte für unterschiedlichste Menschen. Dort begegnen sich Interessierte interaktiv und tauschen sich über VoIP aus.

Wer sich beispielsweise für die Surrealisten interessiert, unternimmt allein oder mit anderen einen Spaziergang durch das Paris des frühen 20. Jahrhunderts, nimmt Platz an einem Caféhaustisch und lauscht einem Gespräch zwischen Picasso und Dora Maar.

Reisekontingente sind aus ökologischen Gründen heute eng begrenzt. Virtuelle Reisen erleben Menschen nun hautnah zuhause. Mobilität, früher noch ein Luxus für viele, ist heute für jeden gewährleistet. Jeder Ort und jede Information sind für jeden zugänglich - einer unserer zentralen demokratischen Werte. Damit schaffen wir Aufklärung und Bildung, stärken Selbstbewusstsein und leben unsere Werte als Weltbürger.

Räumliche Trennungen, unterschiedliche Religionen oder Sprachen sind längst keine Barrieren mehr. Mit intelligenter Übersetzungssoftware können wir mit Menschen aus anderen Kulturräumen ungehindert kommunizieren.  In unseren virtuellen Wohnzimmern treffen wir uns mit Freunden aus der ganzen Welt.

2025 machte die digitale Evolution einen riesigen Fortschritt, dem wir Frieden und gemeinsamen Wohlstand verdanken. Endlich kam der von der NASA und Google entwickelte und viele Jahren erprobte Quantencomputer auf den Markt. Er erkannte nicht mehr nur „0“ oder „1“, sondern „0“ und „1“. Komplexe Aufgaben errechnet er in wenigen Sekunden, wofür die damaligen Rechner knapp 10.000 Jahre in Anspruch genommen hätten.


Ein behinderter Wissenschaftler als einer unserer wichtigsten Vordenker 
Vielleicht wäre die Welt heute eine andere, hätten damals nicht die Vereinten Nationen auf ein Genie der damaligen Zeit gehört. Dem an ALS erkrankten Wissenschaftler Stephen Hawking verdanken wir, dass wir die Möglichkeiten unserer Technik statt zur Profitmaximierung und zum Machterhalt einzelner Cliquen endlich sinnvoll lebens- und friedenserhaltend eingesetzt haben, um Krankheiten, Armut, soziale Ungerechtigkeiten und Umweltzerstörung zu überwinden.

Vieles heute haben wir dem Fortschritt und der Digitalisierung unserer Welt zu verdanken, aber auch großen Vordenkern, Visionären und mutigen Praktikern, dass wir heute in der inklusiven Welt leben, für die wir uns damals einsetzten. Heute wissen wir sehr genau, dass wir nur in einem inklusiven Verbund überleben können und dass Partizipation eine der Grundvoraussetzungen für ein friedliches und humanes Zusammenleben ist.

Glücklicherweise haben wir das verstanden.


Glossar:

Marginalisieren: ins Abseits schieben, zu etwas Unwichtigem, Nebensächlichem machen
Gamer: Regelmäßiger Videospieler
Nerd: unangepasster, intelligenter Mensch mit sehr fokussierten Spezialwissen in den Bereichen Computer, Wissenschaft und Technik
Virtual Reality (VR): vom Computer erzeugte Wirklichkeit
Immersive Echtzeit-3D-Umgebung: der Anwender bekommt die Illusion, dass er sich inmitten des Datenraumes befindet. Mittels intelligenter Gehirncomputerschnittstellen erfolgt die Kommunikation in und mit der künstlichen Welt.
Brain-Computer-Interface (BCI): eine spezielle Schnittstelle zwischen Rechner und Gehirn, die ohne Aktivierung des peripheren Nervensystems, wie z. B. die Nutzung der Extremitäten, eine Verbindung zwischen dem Gehirn und einem Computer ermöglicht.
Voice over IP (VoIP): ermöglicht Benutzern über das Internet oder ein Netzwerk miteinander zu kommunizieren
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): eine fortschreitende und tödliche Erkrankung des motorischen Nervensystems

"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen."
Aristoteles 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohe Festtage und ein glückliches und gesundes neues Jahr!

Wir sind bis 11. Januar 2016 in den Weihnachtsferien.

Titelgebend war die abgebildete Computercollage von Michael Globisch: Rendevous With Tomorrow von 2015

Autorin: Bea Gellhorn


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