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Henri Matisse - Über den Einfluss von Behinderung auf das künstlerische Werk

03.11.2016

Abbildung eines Porträts von Henri Matisse

Henri Matisse setzt seinem Werk am Ende seines Lebens noch einmal die Krone auf. Die Werke der letzten Schaffensphase gehören zu den einflussreichsten des Künstlers überhaupt. Sie vervollkommnen, was er einst begonnen hatte,“ schreibt die Galeristen Anna Feldhaus 2013 über sein außergewöhnliches und mutiges Spätwerk.
„Matisse befreite sich von der Plage von Krankheit und hohem Alter und kreierte eine neue Kunstform“, ist 2014 im „Guardian“ anlässlich seiner großen Ausstellung in der Tate Modern zu lesen.

Als Matisse 1941 von seiner Krebserkrankung erfährt, glaubt er, sein Leben sei zu Ende. Nach einer Operation verbringt er lange Zeit im Bett, später ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Das sollte die künstlerische Arbeit seiner verbleibenden Jahre maßgeblich beeinflussen.

Im Rollstuhl sitzend, teilweise auch mit Assistenz, brachte er den Mut auf, seine Kunst noch einmal zu radikalisieren. Er schnitt Formen aus Papier, die nach seinen Anweisungen monochrom eingefärbt wurden. Die farbenfrohen Bilder, die in dieser Lebensphase entstehen, strahlen eine unbeschwerte Leichtigkeit und Lebensfreude aus.

Seine extreme Reduktion der Collage war ein mutiger Schritt, der ihm auch Spott einbrachte. Doch Matisse fühlt sich in diesem letzten Lebensjahrzehnt völlig frei. Er habe zu seinem wahren Selbst gefunden, soll er gesagt haben und schuf die Arbeiten, die sein Werk zur Vollendung führen sollten.

Am 3. November 1954 starb Matisse an einem Herzanfall während er neue Skizzen anfertigte.

Ablehnung und Stigmatisierung heute noch immer traurige Normalität

Diese Akzeptanz und der differenzierte Blick, wie Behinderungen den Schaffensprozess und die Werke von Künstlerinnen und Künstlern beeinflussen, sind leider noch keine Normalität und wird nur sehr wenigen zuteil. Immer noch hört man von verantwortlichen oder selbsternannten Geschmacksrichtern, dass in der Betrachtung der Werke nur die künstlerische Qualität der Arbeit zähle und man wolle die Behinderung ausklammern, sie habe keinen Einfluss auf die Qualität. 

Das ist nicht nur eine oberflächliche und ignorante Haltung, sondern wird den Werken und den Kunstschaffenden in keiner Weise gerecht und am Beispiel Matisse wird sehr deutlich, dass seine Behinderung und sein großartiges Spätwerk untrennbar sind. 

Viele unserer Künstler und auch wir berichten immer wieder darüber, wie ihre individuelle Behinderung ihre Arbeit beeinflusst, ihnen neue Türen eröffnet, sei es thematisch oder stilistisch. Dadurch entstehen sehr oft ungewöhnliche, eigenwillige und herausragende Arbeiten. Dennoch erfahren die Künstler durch das ‚Outing‘ ihrer Beeinträchtigung ohne genauere Betrachtung sofort Ablehnung und Stigmatisierung. 

Seit Jahren arbeiten wir daran, dieses Schubladendenken und diese Vorurteile zu verändern, aber sie sind leider beharrlich, wenn auch gänzlich überholt in einer Zeit, wo wir uns zu einer inklusiven Gesellschaft entwickeln wollen und müssen!

Und auch bei prominenten Künstler/innen ist der gravierende Einfluss ihrer Beeinträchtigungen auf ihr Oeuvre noch viel zu wenig erforscht, sei es die paranoide Schizophrenie von Edvard Munch oder Camille Claudel, die traumatischen Kindheitserlebnisse von Louise Bourgoise, die bipolare affektive Störung von Mark Rothko oder Sonja Sekula oder die schweren Depressionen von Pablo Picasso und Paul Gauguin, um nur einige zu nennen. Diesbezüglich haben Kunsthistoriker/innen noch sehr viel nachzuholen und neu zu entdecken, was endlich begonnen werden muss.  

Abbildung: Henri Matisse im Mai 1933, Fotografie von Carl van Vechten

 

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