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Ich umarmte die Kunst als meine Erlösung und Notwendigkeit.

16.03.2012

Abbildung der Arbeit 2 von Anna Maris

Der Frühling steht vor der Tür und endlich sind sie da – die ersten warmen Tage. Da diese Jahreszeit symbolisch für Neubeginn und Veränderung steht, eröffnen wir eine neue Rubrik "Künstlertexte".

Den Anfang macht die Geschichte der Bildhauerin Johanna Schmidt, „Dieses eine Bild“, welche die Stigmatisierung von Künstlern, die sich immer wieder auch in schwierigen Lebensphasen befinden, ob behindert oder nicht behindert, eindringlich beschreibt.

„Nur sagen, dass er depressiv war, das hätte er nicht dürfen.“ Er hätte besser geschwiegen, ist das Fazit der Geschichte, das die Realität nicht nur von Künstlern mit Beeinträchtigungen deutlich formuliert.

Funktionieren, Anpassen und Schweigen. Schneller, produktiver und effizienter. Nur wenige Menschen halten diesem Tempo stand wie die wachsenden und beunruhigenden Zahlen der psychischen Erkrankungen in den Industrienationen belegen: Jeder fünfte Arbeitnehmer leidet laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) an Angstzuständen, Depressionen oder Schizophrenie. Die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden, ist bei psychisch Kranken doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Stigmatisierung und Ausgrenzung trifft nahezu jeden, der sich zu seiner Erkrankung bekennt. Das zeigt sich auch und beispielhaft im Kulturbetrieb.

Unter dem Mantel des Schweigens, der Zwangsanpassung, der mühsam aufrecht erhaltenen Fassade des Funktionierens zerbrechen nicht nur viele Künstlerseelen, sondern auch immer mehr Menschen, die diesem Druck nicht gewachsen sind. Hinzu kommt, dass für sozial benachteiligte Menschen – und gerade Künstler/innen leben in äußerst prekären Lebenssituationen – ein erhöhtes Risiko besteht, krank zu werden und früher zu sterben, wie weitere Studien belegen. Aber sie sind auch mit ihrer Arbeit wesentlich glücklicher als Menschen in anderen Berufen - das zeigte eine neue, repräsentative Langzeitstudie des SOEP (Sozio-Ökonomisches Panel). „Künstler ziehen aus der Tätigkeit selbst einen viel größeren Nutzen als aus dem Geld, das sie damit verdienen“, sagt Lasse Steiner, einer der Autoren.

Für viele ist Kunst ein lebenswichtiges Ventil, um ihre Innenwelten, ihre Gefühle und Ängste sichtbar zu machen. Ob die Künstlerin Inga Scharf da Silva stellvertretend für viele andere Künstler/innen unser Galerie, sagt: „Ich habe mich ins Leben zurückgemalt“ oder prominente Künstlerinnen wie Frida Kahlo formulierten: „Ich bin nicht gestorben, und außerdem habe ich etwas, wofür es sich zu leben lohnt: die Malerei" sowie die Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle: „Ich umarmte die Kunst als meine Erlösung und Notwendigkeit."

Auch die französische Künstlerin Louise Bourgeois hat nach eigener Aussage ihre traumatischen Kindheitserlebnisse mithilfe der Kunst be- und verarbeitet und immer wieder ihre Dankbarkeit über diese Gabe ausgedrückt.

Sie sind nicht die einzigen Künstler/innen, deren Leid, Einsamkeit und Traurigkeit zu einem Motor wurde, künstlerisch tätig zu sein – und anerkannte Künstler/innen wurden. Prominente männliche Künstler, wie beispielsweise Ernst Ludwig Kirchner oder Mark Rothko, wagten weitaus weniger, sich zu ihrer Beeinträchtigung zu bekennen und nahmen sich das Leben. Vermutlich ist auch deshalb deren Selbstmordrate deutlich höher.

Aber niemand würde diese künstlerischen Arbeiten abwertend als „therapeutische Kunst“ bezeichnen wie es heute immer noch Künstler/innen mit Handicaps erfahren müssen und sich daraufhin viele aus der Öffentlichkeit und der Sichtbarkeit zurückziehen.

Deshalb freuen wir uns über jeden Künstler, der zu unserer Plattform findet, und seine Werke einem breiten, kunstinteressierten Publikum präsentieren will und kann sowie diese über die Online-Galerie ohne Provisionsleistungen auch zu verkaufen.

Wir wollen sie ermutigen, sich zu zeigen - mit allen Schwächen, mit aller Sensibilität und Zerbrechlichkeit, aber vor allem mit ihrem Talent und ihrer künstlerischen Ausdruckskraft, um für einen offeneren, toleranteren und rücksichtsvolleren Umgang miteinander zu werben, den wir alle benötigen.


Auch freuen wir uns, Ihnen die Künstlerin Anna Maris aus Bad Sobernheim in Rheinland-Pfalz vorzustellen. Ihre wunderbaren abstrakten Arbeiten sind ein großer Gewinn für unsere Online-Galerie.


Viel Vergnügen mit den neuen Beiträgen und wir wünschen Ihnen einen zauberhaften Frühling!

[zu der Künstlerin Anna Maris]
[zu den Künstlertexten]

Abbildung: Arbeit 2 "Der Feuervogel" von Anna Maris

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